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Campus

Rektoren-Konferenz im Elfenbein-Turm: Mißstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Universität vom 22. April 2008

Schon seit längerem schwelt der Konflikt zwischen Studenten und ihren Universitäten. Beschnittene Mitbestimmungsrechte, Studiengebühren und sinkende Qualität der Lehre führen regelmäßig zu teils heftigen Auseinandersetzungen. So auch Anfang dieser Woche vor dem Jenaer UHG. Demonstranten lieferten sich mit der Universitätsleitung eine Diskussion, die letztendlich wohl unerhört bleiben wird.

„Es wäre schön, wenn die Jenaer Studenten bei Befragungen für Hochschulrankings auch mal etwas positives über die Friedrich-Schiller-Universität sagen würden.“ hieß es vor einem halben Jahr aus Richtung der Prorektoren. Man sei höchst unzufrieden über das Abrutschen Jenas in den regelmäßig von verschiedenen Medien erhobenen Studien. Ein Satz, der einerseits jene traurige Entwicklung kennzeichnet, welche die Universität Jena seit einiger Zeit geht. Anderseits auch einen der Gründe dafür liefert: Die Universität hat sich zunehmend von ihren Studenten entfremdet. So verwundert es kaum, daß letztere immer häufiger die Straße als Medium nutzen.

Vom einstigen „Heidelberg des Ostens“, wie Jena einst genannt wurde, ist längst nur noch die klangvolle Geschichte der Universität geblieben. In der Gegenwart beherrschen überfüllte Hörsäle, bürokratische Verwaltung und Schule statt akademisches Studium das tägliche Bild.
Wer etwa als angehender Student zunächst in der Studienberatung vom zumeist freundlichen Ton auf die ganze Hochschule geschlossen hatte, dürfte beim ersten Kontakt mit dem Studierenden-Service-Zentrum (SSZ) hart auf dem Boden der Realität aufschlagen. Besonders das SSZ ist bekannt für mürrische, häufig gar unhöfliche, Kommunikationspraxis. „Man fühlt sich in ein Amt versetzt.“ lautet daher auch das Urteil vieler Studenten. Dabei war das einstige Studentensekretariat doch gerade deshalb umbenannt worden. Den „Kunden“ der Hochschule sollte Service statt verstaubte Verwaltung geboten werden.
Desillusioniert geht es für den Erstsemestler sogleich in die nächste Bewährungsprobe. Einen Sitzplatz in wichtigen – sprich für das Studium unabdingbaren – Vorlesungen zu ergattern ist schwierig. Man müßte schon zig Minuten vor Beginn erscheinen. Im Rahmen vorgeschriebener Stundenpläne ein Akt der Unmöglichkeit. Hier beißen sich Terminierung und Terminwirklichkeit.
Überhaupt ist das mit der Zeit so eine Sache in Jena. Die Öffnungszeiten von einzelnen Lehrstuhlsekretariaten und Computerpools wurden zuletzt verkürzt, statt erweitert. Bedenkt man dann auch noch den zuweilen völlig unzureichenden Buchbestand in den Bibliotheken, verkommt das Selbststudium zur Farce.


Boykott-Aufruf des StuRa / Foto: StuRa
In diese desaströsen Zustände hinein bringen nun auch die Rektoren nach der Politik das Thema Studiengebühren. „Für was?“ lautet da die Frage. Es ist kaum anzunehmen, daß sich die Bedingungen ändern werden. Im Gegenteil. Um ihr Studium finanzieren zu können, müßten viele Studenten einen Nebenjob annehmen. Das aber verlangt Flexibilität. Ist der Weg in die Bibliothek dann doch oftmals erst nach 21 Uhr möglich. Folgen, die von den Rektoren nicht einmal im Traum bedacht werden. Sie sehen allein das zusätzliche Geld, mit dem man zu jenen Tempeln der Wissenschaft in den USA aufschließen könnte.

Studentenparadies nennen sich Jena und die Friedrich-Schiller-Universität gerne. Davon ist zumindest die Uni meilenweit entfernt. Die beschauliche Lage, das kulturelle Angebot und die Lebensqualität (in) der Stadt können über die eklatanten Mißstände am Campus nicht hinwegtäuschen. Hier wartet einiges an Arbeit und Umstellung auf die verstaubten universitären Amtszimmer. Dabei liegt die Lösung doch so nah: Regelmäßig weisen Jenaer Studenten darauf hin. Die Rektoren müßten einfach nur zuhören.

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