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Gesellschaft

Stadt Jena warnt vor vergiftetem Marihuana

Gesundheit vom 10. April 2008

Jena wird das Thema Drogen in diesen Tagen wohl nicht mehr los. Erst vor knapp einer Woche hob die Jenaer Kriminalpolizei eine Zuchtanlage für Cannabis-Pflanzen aus. Der sensationelle Fund gelang in einem still gelegten Bürogebäude in Jena-Göschwitz. Wer die Drogenbauern waren und inwieweit der Inhaber der Räumlichkeiten involviert ist, wurde bisher nicht bekannt gegeben. Fraglich ist natürlich, ob die Indoor-Plantage tatsächlich für die Versorgung des Jenaer Marktes vorgesehen war.

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Wie gefährlich Cannabiskonsum werden kann, zeigen nicht nur die Unfallstatistiken. Denn obwohl die Einnahme für gewöhnlich wenig bleibende Schäden hervorruft, gab es in den letzten Monaten offenbar mehrere Anzeichen für Vergiftungen. Grund dafür ist ein bedenklich hoher Anteil Blei in kontaminiertem Marihuana. Durch die Aufnahme des Metalls über die Lunge gerät die schädigende Wirkung um so größer.
Weshalb und wie das Blei zum Rauschgift kommt, ist nicht ganz sicher. BKA und andere Institutionen gehen jedoch davon aus, daß Drogendealer die einzelnen Portionen mit dem Schwermetall strecken wollen und zugleich deren Gewicht erhöhen.

Experten gehen davon aus, daß die bisher gemeldeten 148 Fälle bundesweit nur die Spitze des Eisberges ausmachen. Tatsächlich gehen sie von bis zu 5000 Vergiftungen aus. Die Stadt Jena weist aus diesem Grund auf die Möglichkeit hin, im Falle von Symptomen oder bei Verdacht sich anonym untersuchen zu lassen:

Pressemitteilung

Achtung – Bleivergiftetes Marihuana

Im Oktober 2007 ist erstmals bei einem Patienten in Jena eine Bleivergiftung diagnostiziert worden, die durch den Konsum von Blei kontaminiertem Marihuana (Cannabis) verursacht wurde.
Bis zum 20. März 2008 ist die Anzahl der bundesweit registrierten behandlungspflichtigen Cannabiskonsumenten auf 148 gestiegen. Mit einem weiteren Anstieg der Patienten muss gerechnet werden. Experten sprechen von der größten Massenbleivergiftung seit dem 2. Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland.
Es wird vermutet, dass sich erst ca. 10 % der potentiell Gefährdeten (geschätzte Dunkelziffer ca. 5000 Konsumenten) untersuchen lassen haben. Auch auf die Frage, ob noch immer vergiftetes Marihuana im Umlauf ist, kann keine verbindliche Antwort gegeben werden.
Eine nicht behandelte Bleivergiftung hat schwerste körperliche Organschäden zur Folge und kann tödlich enden. Deshalb sollten sich Cannabiskonsumenten, die insbesondere Marihuana in den letzten Monaten konsumiert haben, dringend ärztlich untersuchen und gegebenenfalls medikamentös behandeln lassen. Wichtige Informationen u.a. zur Symptomatik sowie Behandlung einer Bleivergiftung finden Sie unter den nachfolgenden Internetadressen:

Giftzentrale Erfurt
Universitätsklinikum Leipzig
drug scouts

Alle, die sich potentiell betroffen fühlen, können sich Dienstags zwischen 8:00 Uhr und 11:30 Uhr im Gesundheitsamt Jena nach Terminabsprache unter der Telefonnummer (0 36 41) 49 31 44 oder 49 32 01 anonym einer kostenlosen Blutentnahme unterziehen.

Die nachfolgende toxikologische Blutuntersuchung durch das Institut für Arbeitsmedizin des Universitätsklinikums Jena ist kostenpflichtig. Ein Betrag in Höhe von 28,45 Euro (einschließlich Mehrwertsteuer) muss bereits zum Zeitpunkt der Blutentnahme in Vorkasse entrichtet werden.

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