Theater vom 20. November 2007
23./24. November (Sa/So), 20 Uhr – Theaterhaus Jena

Helena Waldmanns Inszenierungen zählen zu den derzeit politisch bedeutsamsten Arbeiten im Tanz. So auch ihre Letters from Tentland, die getanzten Briefe aus Teheran. Helena Waldmann hat sie seit 2005 um die ganze Welt geschickt, obwohl Tanz und Gesang von Frauen im Iran verboten ist.
Verborgen in Zelten berichteten die Frauen von ihrem Alltag in der islamischen Republik. Wo immer die Briefe weltweit aufgeführt wurden, stießen sie auf begeisterte Resonanz bei Publikum und Kritik. Aber das politische Klima in Teheran veränderte sich – die Aufführung von Letters from Tentland wurde untersagt und den Performerinnen aus Teheran mit Berufsverbot gedroht.
Helena Waldmann reagierte auf dieses Verbot postwendend und ließ die Briefe in einem neuen Stück Return to Sender schicken. Nun performen sechs Exil-Iranerinnen in den Zelten, die ihre Kolleginnen aus Teheran zurückgelassen haben. Für die Frauen ist das Zelt ein Zeichen ihres unsteten Lebens und auch ein Stück Heimat, das sie nie loswerden. Sie tänzeln auf dem Grat der zwei Kulturen, und stoßen sich an beiden Seiten heftig. So wirbeln die Zelte umher, falten und entfalten sich, um aufzureißen wie Umschläge, aus denen Briefe aus dem Exil fallen. Und zwischen den Zeilen lesen wir, wie sie gegen die Angst arbeiten, wie sie versuchen, sich durch die Angst nicht kontrollieren zu lassen.
Nur drei Prozent der Weltbevölkerung sind Migranten. Ihre Flucht aus der heimatlichen Sesshaftigkeit in eine ungewisse Existenz trifft nicht immer auf Gastfreundschaft. Zwischen Gesetzen und polizeilicher Praxis tanzen sie wie Zelte im Wind.

Tänzerinnen: Sanam Afrashteh, Javeh Asefdjah, Taies Farzan, Lila Mara, Maryam Palizban, Niloufar Shahisavandi, Bühne und Regie: Helena Waldmann, Dramaturgie: Susanne Vincenz, Lichtdesign: Herbert Cybulska, Video: Karina Smigla-Bobinski, Anna Saup, Musik: Mohammad Reza Mortazavi, Parissa & Ensemble Dastan, Alexei Aigi & Ensemble 4-33, Hamid Saedi & Reza Mojhadas, Hey, Axiom of Joyce, Kostüme: Susanne Schwieter, Tontechnik: Stephan Wöhrmann, Assistenz: Ina Zimmermann, Tourmanagement: Claudia Bauer, Dauer: ca. 60min
Diese Veranstaltung wird ermöglicht durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und der Medien sowie der Kultur- und Kultusministerien der Länder. (+ Logo NPN)
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