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Ernst-Abbe-Bücherei und JenaKultur entdecken das neue IT-Zeitalter

von Thomas C. Stahl (24. Januar 2008)

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, daß Internet und andere IT-Konzepte längst in allen Bereichen der Gesellschaft Einzug gehalten haben. Doch weit gefehlt! Besonders im öffentlichen Sektor steckt oftmals der Wurm drin, wenn es darum geht, moderne Möglichkeiten des Informierens und Interagierens auszuschöpfen. Es scheint, als hinkten besonders die Kommunen der Zeit um viele Jahre hinterher. In Jena stößt man nun langsam ins neue Jahrtausend vor. JenaKultur übernimmt dabei die Spitze.

In einer Studentenstadt wie Jena würde man erwarten, technischen Schnickschnack an jeder Ecke vorzufinden. Kennt man doch besonders aus den USA die Vorbildfunktion vieler akademischer Hochburgen in Sachen High-Tech und Zukunftsideen. Leider trifft dies zumindest für Ost-Thüringen offenbar nicht ganz zu. Selbst einige Webseiten vornehmlich im E-Commerce wirkender Unternehmen muten an, als hätte sie seit Jahren kein Webdesigner oder Projektleiter zu Gesicht bekommen. Schon lange existierende Funktionalitäten wie RSS-Feeds oder Interaktionsmöglichkeiten über das bloße eMail-Verschicken hinaus sucht man nicht selten vergeblich.
Um so erstaunlicher ist vor diesem Hintergrund die Entwicklung einiger Jenaer Kultur-Einrichtungen im Jahr 2007. Fast könnte man an mancher Stelle von einem Quantensprung sprechen.

Allen voran ist die Ernst-Abbe-Bücherei (EAB) in der Zukunft des IT-Bereichs angekommen. So wurde der gesamte Bücherbestand mit RFID-Technik von Grund auf modernisiert. Es ist nun möglich, ohne Konsultation einer Fachkraft Bücher elektronisch auszuleihen. Daß dies auch der Sicherung der Medien dient, ist willkommener Nebeneffekt. „Bei Diebstählen konnten wir auf Grund dieser Sicherungsmöglichkeit bereits erste Erfolge verbuchen.“ verwies Annette Kasper, verantwortlich für die EAB, auf den Nutzen der neuen Technik. Die EAB ist damit die erste Thüringer Bibliothek, die mit RFID arbeitet.

Suchportal Aquabrowser der EAB
Ergänzung findet das neue System im erweiterten Onlineangebot der Bibliothek. Über ein OPAC können Kunden 24h am Tag im Bestand stöbern und Buchungen tätigen. Die Leihexemplare können sodann ohne viel Aufwand abgeholt werden. „Es gibt nur noch wenige Medien, die nicht elektronisch gebucht werden können.“ machte Kasper den Fortschritt der Modernisierung deutlich und verwies auf 97.000 Onlinenutzer in 2007. Verwöhnte Augen sollten diese jedoch nicht haben: Die grafische Gestaltung des OPAC ist nicht besonders Qualitätsbewußt. Was eigentlich stark verwundert. Verfügt die EAB mit ihrer „denkenden Suchmaschine“ Aquabrowser doch über ein Internetangebot auf höchstem Stand. Dem Nutzer stehen mit dem Portal modernste Technik und daraus resultierend mannigfaltige Recherchemöglichkeiten zur Verfügung. Dennoch ist es dem OPAC untergeordnet.

Einen ersten Schritt Richtung Web 2.0 geht die EAB mit ihrem Schul-Netzwerk Schubinet . Das im Blogsstil betriebene Projekt soll Schulen und EAB enger zusammenbringen sowie die Zusammenarbeit begleitend unterstützen. Obwohl von einer Redaktion gepflegt, sind Mitarbeiter und andere Verantwortliche dazu ausgerufen, ihre Ideen aktiv einzubringen. Zu diesem Zweck bekommen sie einen offiziellen Zugang zum Blog inklusive dem Recht, eigene Beiträge zu veröffentlichen.
Schubinet ist durchaus ein interessanter Ansatz zum Aufbau eines lokalen Netzwerkes. Knackpunkt ist jedoch, wie bei vielen solcher Projekte, die Bereitschaft des Mitmachens. Aktuell gibt es nur Beiträge aus der Redaktion. Die eigentliche Netzwerkarbeit findet offenbar nach wie vor im (realweltlichen) Hintergrund statt. Vielleicht wäre ein erster Schritt, dies zu ändern, die Öffnung auch gegenüber Schülern und deren Eltern.

Ernst-Abbe-Bücherei und der ihr übergeordnete städtische Eigenbetrieb JenaKultur gehen den richtigen Weg. Jedoch gibt es keinen Grund, sich entspannt zurück zu lehnen. Die Defizite beim Onlineauftritt der EAB und die Potentiale z.B. beim Schubinet – was auch die Ausweitung des Konzepts auf weitere Bereiche einschließt – lassen für die Zukunft viel Arbeit anstehen. Zu hoffen ist, daß mit dieser Entwicklung auch Anreize an anderer Stelle wie Jena.de oder diversen Unternehmen entstehen.
Den im Selbstgebrauch üblichen Titel „Mekka des E-Commerce“ sollte Jena auch mit Wahrheitsgehalt füllen – das aber kommt nicht von allein, sondern muß erarbeitet werden.

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