Wo: Außenbeziehungen - Wann: 8. November 2007
Entgegen negativer Berichterstattung in einer großen Thüringer Tageszeitung brachte die Chinareise des Oberbürgermeisters durchaus Verwertbares für Jena. Gemeinsam mit einer Delegation aus Wirtschaft und Wissenschaft wurden erste Kontakte geknüpft und so manches greifbares Ergebnis mit nach Hause gebracht. Lesen sie den ausführlichen Reisebericht von Daniel Bohnsack, Marketing/PR der B&W GmbH …
29.10.2007
Bereits der Montag begann für die 13-köpfige Gruppe, bestehend aus
mit harter Arbeit.
Ein Empfang im Umweltministerium stand bereits um 9 Uhr auf dem Programm. Wer den Rushour Verkehr in Peking kennt, weiß, wann man da früh los muss. 1-2 Stunden Fahrt sind in der 15-Millionen-Metropole nix. Trotzdem erreichte man pünktlich das Gelände und wurde sehr offen und herzlich von Vize-Direktor für internationale Zusammenarbeit, Herrn Luo Yi, empfangen. Erfrischend ehrlich legte er die Umweltprobleme in China offen. Dr. Eric Pawlitzky, mitreisender Unternehmensberater, konnte 2 Projekte von Jenaer Mandanten vorstellen, u.a. eine vollkommen neuartige Biogasanlage, deren Durchlaufzeit nur noch ein Zehntel bisheriger Biogasanlagen beträgt. Nicht zuletzt damit konnte großes Erstaunen und nachhaltiges Interesse im Ministerium geweckt werden.

OB Dr. Albrecht Schröter empfängt einen Umweltkatalog der Chinesischen Regierung
Beim anschließenden Termin im WissenschaftsWissenschaftsministerium stellte Oberbürgermeister Schröter nach ebenso herzlichem Empfang von Vizedirektor für Internationale Zusammenarbeit, Yao Weike, den Wissenschaftsstandort Jena und den kürzlich erhaltenen Titel „Stadt der Wissenschaft 2008“ vor. Auf besonders offene Ohren stieß die Präsentation des Hochschulstandorts Jena. Dr. Eva Schmitt-Rodermund zeigte dabei unter anderem, dass man in Jena (das übrigens frei von Studiengebühren ist) schon für rund 600 Euro im Monat leben kann. Unterstützung fanden Schröter und Schmitt-Rodermund in Prof. Dr. Wolfgang Gawalek (IPHT), der das Gesamtbild eines vernetzten Wissenschaftsstandortes komplettierte. So schlug Yao auch gleich eine Chinesische Partnerregion in China, nämlich Souzhou (übrigens auch Sitz von Carl Zeiss China), vor, da diese eine ähnlich innovative Region wie Jena sei.
Am Abend ging es dann mit dem Flieger fast 3000 km nach Guangzhou, wo man selbst ca. 23.00 Uhr (nach der Ankunft) noch sehr herzlich von Cui Ying, dem Direktor für Außenangelegenheiten Panyus, am Flughafen empfangen wurde.
30.10.2007
Am Morgen des ersten Tages in Guangzhou, nachdem die Gruppe um
gewachsen war, ging es zur Canton Fair, Chinas größter Import- und Exportmesse (noch die zweitgrößte der Welt, nach Frankfurt). Selbstredend waren hier für die mitgereisten Jenaer Mittelständler Kontaktanbahnungen vordergründig. Aber auch alle anderen waren von der Vielfalt in Breite und Tiefe der Ausstellungsexponate überwältigt.
Am Nachmittag stand ein Empfang bei He Zhenhui, dem Vizerektor der Sun Yatsen Universität von Guangzhou, auf dem Plan. Diese Hochschule gehört in den elitären Club der 10 besten Chinas und hat momentan 76.000 Studenten. Nach einem einstündigen allgemeinen Austausch mit dem Rektor und anderen Vertretern der Sun Yatsen wurde man auch schon konkret. Die Vertreter der Jenaer Wissenschaft, Frau Schmitt-Rodermund, Herr Görnert und Herr Gawalek (der übrigens vor einigen Jahren eine Gastprofessur an der Sun Yatsen innehatte) konnten sich mit Herrn He auf einen intensiven Austausch von Doktoranten beider Hochschulen einigen. Während dieser Verhandlung hatten die anderen Delegationsteilnehmer die Gelegenheit, sich auf dem riesigen Gelände der Hochschule umzuschauen. Die Vielfältigkeit dieser Stadt in der Stadt war beeindruckend.
Am Abend wurde die Delegation herzlich und offiziell von der Regierung des Bezirkes Panyu (1 Million EW), an der Spitze Bezirksdirektor Luo Weifeng, empfangen. Hier wurden die sich aufbauenden Beziehungen und teilweise freundschaftliche Verhältnis besonders herausgehoben.
31.10.2007
Der Mittwoch (in Jena Feiertag, bei uns jedoch nicht) begann mit einem Besuch bei einem uns bestens vertrauten Label, nämlich bei Zeiss. In Guangzhou steht das größte Werk für Brillengläser in ganz Asien – und das ist ein Werk von Carl Zeiss Vision. Während eines Betriebsrundganges konnten die Jenaer sich persönlich davon überzeugen, dass auch in Guangzhou die Qualitätsstandards eingehalten werden, die der Tradition des Namens Zeiss gerecht werden.
Beim anschließenden Gespräch mit Chen Xiao-Hua, dem Direktor der Guangzhou Development Zone (einem riesigen Industriegebiet in Guangzhou), informierte man uns über die Rahmenbedingungen einer Investition in dieser Region. Beispielsweise wird dem Mittelstand eine bis zu 50%ige Steuervergünstigung eingeräumt, wenn man sich zu einer Investition in Guangzhou entschließt.
Besonders eindrucksvoll war der Empfang bei Chen Mingde, dem Vizebürgermeister der 10-Millionenmetropole Guangzhou (bei uns aufgrund eines Übersetzungsfehlers aus dem 18. Jahrhundert auch als Kanton bekannt). Aufgrund der Herzlichkeit, die die Jenaer entgegenbrachten, ließ sich Chen zu der Aussage hinreisen, dass man doch Jena als Partnerstadt von Guangzhou etablieren könne, obwohl die viertgrößte Stadt China bereits Frankfurt/ Main als solche hat. Doch das wäre wohl wirklich eine Nummer zu groß für Jena – so blieb nur die Empfehlung an Panyu, dem außenwirtschaftlich wichtigsten Bezirk von Guangzhou (das ja immerhin noch 1 Million Einwohner zählt und 25% der Wirtschaftsvolumens ausmacht).
Selbst beim Abendessen auf einem Schiff auf dem Perlfluss wurde noch gearbeitet; OB Schröter konnte Vertretern zwei großer chinesischer Reiseunternehmer (GLZ International Travel Service und www.sintu.com) die touristischen Vorzüge Jenas nahe bringen. Dies war für beide so überzeugend, dass Jena nun in deren Europa-Programm fester Bestandteil sein wird.
01.11.2007
Der erste Novembertag war von High Tech gekennzeichnet. Man begann mit einem Besuch bei der Firma vtrek, wo man vom Direktor Bingwu Zhuang persönlich empfangen wurde. Vtrek fertigt für Kunden wie Sony oder JVC – aber auch unter eigenem Namen – unter anderem DVD-Player, LCD-TVs und Car Audio Systeme mit einem dreistelligen Millionenumsatz (selbst in Euro). Das Durchschnittseinkommen eines Arbeiters bei vtrek liegt bei 150 €/ Monat.
Der Vormittag fand seinen Fortgang mit einem ausführlichen Rundgang des Tian An Scienceparks (vielleicht so etwas ähnliches wie unser TIP) von Panyu. Geführt wurden wir vom Direktor, dessen Visitenkarte ich leider nicht mehr entziffern kann.
In diesem Technologie-Gründerpark können sich bis zu 500 Unternehmen ansiedeln, 150 sind bereits dabei. Schwerpunkte sind Ökologie, Software und Computergames. Auch deutsche Ansiedlungen sind bereits vertreten, sind aber immer willkommen.
Der Tageshöhepunkt fand am frühen Nachmittag statt. Hier wohnten wir der feierlichen Eröffnung des Deutschen Innovationsparks bei. Alexander Zhang, der Geschäftsführer der Panshan Group und der Jenaer Unternehmer Dr. Minzhi Wu unterzeichneten den dazugehörigen Vertrag. Somit liegt es jetzt auch in Jenaer Hand, den Austausch von Wirtschaft und Innovation der Region Panyu mit Deutschland voranzutreiben. Begleitet wurde das Ganze von OB Schröter und Bezirksdirektor Luo sowie zahlreichen regionalen Medienvertretern.
Es folgte eine ausgiebige Rundfahrt durch die neu entstehende Universitätsinsel, bzw. Universitätsstadt, Panyu. 10 Unis bilden hier in einem riesigen komplex ein gigantisches Ausbildungszentrum in dem im Jahre 2009 bis zu 400.000 Stundenten Platz finden sollen, so die zuständige Direktorin der Bezirksregierung, Xin yu Liu.
Am Ende des Tages stand eine weitere Betriebsbesichtigung einer Spielautomatenfabrik auf dem Programm. Hier wurde uns einer der größten Wachstumsmärkte Asiens, die Produktion von elektronischen Spielen jeglicher Art, von Unternehmenspräsident Ota Toshihiro und Geschäftsführer Norman Hao (beide Wahlap Group) dargestellt.
02.11.2007
Der letzte Tag in Panyu war der große Tag für Jena: Während einer 3-stündigen Veranstaltung wurde die Stadt ausführlich vorgestellt. Dem folgten einzelne Unternehmer (wie Hendrik Bieräugel von der Sensator AG und Eric Pawlitzky) und Sparkassenchef Fischer, der Möglichkeiten einer Investitionsfinanzierung in Jena darstellte.
Der erste Teil der Veranstaltung, an der auch knapp 100 Unternehmer aus der Region Panyu teilnahmen, wurde von Panyu’s Vizedirektor Li Weitang geleitet, im zweiten Teil kam dann Direktor Luo dazu.
(Unsere Termine waren so dicht beieinander, dass sogar während der Präsentation der Stadt Jena einzelne Teilnehmer unserer Delegation aufgrund von Einzelgesprächen den Raum verlassen mussten, um deren Projekte speziellen Interessenten vorzustellen. So zum Beispiel Dr. Pawlitzky, der auch hier seine Biogas-Anlage potentiellen Investoren aus Hongkong offerierte.)
Auch Frau Alexandra Voss, die Direktorin der AIHK für Südchina, stellte die Rahmenzahlen des wirtschaftlichen Austausches zwischen Deutschland und der Provinz Guangdong dar und zeigte hierbei auf, dass deutsche Investitionen in dieser noch weit hinter Japan, England und anderen westlichen Ländern zurückstehen. Interessant ist auch, dass aus der Provinz Guangdong Waren im Wert von über 7 Milliarden Euro nach Deutschland exportiert werden, aber nur Waren im Wert von über 5 Milliarden zurückfließen.
Höhepunkt fand diese Veranstaltung in einer Absichtserklärung für die Errichtung einer Kooperation zwischen Jena und Panyu, die von OB Schröter und Direktor Luo in beiden Sprachen unterzeichnet wurde.
Am Nachmittag folgte ein Besuch der Fachhochschule Panyu (derzeit 7000 Studenten), einem von 24 Pilotprojekten in China. Das Fachhochschulprogramm in der in Deutschland bekannten Form gab es bisher noch nicht im reich der Mitte. Auch hier kamen im Gespräch mit deren Rektor Zhang Lianxu viele Parallelen und Möglichkeiten einer Kooperation zum Vorschein. OB Schröter und die Uni-Vertreterin Dr. Schmitt-Rodermund, die hier auch im Namen von FH-Rektorin Beibst unterwegs war, können sich auch hier eine Zusammenarbeit vorstellen.
Abschluss fand der Freitag in der Besichtigung des größten Stadions von Guangzhou, in dem 80.000 Zuschauer Platz finden. Einlader hier war ein junger Unternehmer, der das Stadion (übrigens auch das Olympiastadion in Peking) mit Beschallungsanlagen ausstattete.
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