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Chinas Stadt der Wissenschaft bietet Partnerschaft an

Wo: Außenbeziehungen - Wann: 20. November 2007

Gut eine Woche ist vergangen, seitdem Jenas Oberbürgermeister aus China zurückgekehrt ist und schon gibt es die nächste Anfrage von chinesischer Seite. Unter anderem auf den Besuch Schröters des Chinesischen Wissenschaftsministeriums folgte eine herzliche Einladung von der zweitgrößten Stadt der Provinz Sichuan, Mianyang, Chinas Stadt der Wissenschaft, an Jena. Gern bietet man sich sogar als möglicher Partner an, so der Oberbürgermeister von Mianyang, Tan Li.


Lage von Mianyang; Quelle: Wikipedia
Bekannt ist diese Stadt vor allem durch ihre populäre Akademie für Technische Physik und das Forschungs- und Entwicklungszentrum für Aerodynamik. Zudem gibt es sechs Universitäten und vergleichbare Hochschulen. Darauf begründet sich auch der Titel „Stadt der Wissenschaft“, welcher im Übrigen auf Lebenszeit verliehen wurde.
Begünstigt durch die akademische Ausrichtung seiner wissenschaftlichen Einrichtungen ist Mianyang eines der wichtigsten chinesischen Standorte der Elektronischen Industrie. Große Unternehmen wie Changhong Electronics Group Corporation, Jiuzhou Electronics Group, Shuangma Cement Group oder Changcheng Special Steel Company haben ihre Heimat in der Stadt, die 50 mal größer ist als Jena.

Mit 5,2 Millionen Einwohnern – von denen 600.000 im eigentlichen Stadtgebiet leben – und einer Fläche von 20.000 km² übertrifft Mianyang jede deutsche Großstadt um ein Vielfaches. Trotz dieser auf den ersten Blick erschreckenden Zahlen wählte die „China Daily“ Mianyang auf den dritten Platz der lebenswertesten Städte Chinas – weit vor bekannten Namen wie Shanghai, Peking oder Chongqing (mit über 30 Millionen Einwohner die größte Stadt der Welt). Lediglich Dalian und Xiamen stehen in diesem Ranking besser da.


Der Große Buddha von Leshan; Quelle: Wikipedia
Zu verdanken ist dies sicher auch der besonderen Natur- und Kulturlandschaft der Provinz Sichuan.
Neben dem sehr milden Klima mit 350 frostfreien Tagen im Jahr sorgen 7,46 Millionen ha Wald für ein Bild, das man gewöhnlich nicht mit den chinesischen Molochen verbindet. Die sogenannten „lebenden Fossilien“ Chinas, wie der Urweltmammutbaum und der Taubenbaum, sind in Sichuan endemisch – kommen also weltweit nur in der Region vor.
Nicht umsonst listet die UNESCO mehrere Orte der Provinz als Weltkulturerbe, so zum Beispiel:
Jiuzhaigou: Von Wasserfällen und Minderheitkulturen geprägtes Naturschutzgebiet.
Emei Shan: Einer der vier dem chinesischen Buddhismus heiligen Berge. Er ist übersäht mit Tempeln und dient als wichtiges Pilgerziel.
Leshan-Buddha: Der Große Buddha von Leshan ist mit einer Höhe von 71 Metern die größte sitzende Buddahstatue der Welt und wurde zwischen 719 und 803 aus einer Felsklippe des Min-Flusses gemeißelt.

Historisch existieren seit der Shang-Dynastie Siedlungen in der Provinz. Aus ihnen entwickelten sich im 9.Jahrhundert v.Chr. die Königreiche Shu und Ba, bis sie 316 v. Chr. vom aufstrebenden Reich der Qin annektiert wurden. Brach die Herrschaft einer chinesischen Dynastie jedoch zusammen, gehörten die Bewohner Sichuans stets zu den ersten, die die Wirren nutzten, um ein eigenes Königreich zu gründen.

Betrachtet man die Begebenheiten um Mianyang, scheint die Stadt gut zu Jena zu passen. Wissenschaft und Hochtechnologie stehen im Kontrast zu einzigartiger Natur- und Kulturlandschaft. Zwar muten die Verhältnisse in Zahlen unverhältnismäßig an. Doch müssen in Bezug auf China andere Maßstäbe angelegt werden. Das nach Einwohnern größte Land der Welt findet eben nur schwer vergleichbare Partner.

Daneben gibt es übrigens auch noch das Angebot von Souzhou, ebenfalls einer sehr technologisch-fortschrittlich orientierten Stadt bei Shanghai (und Zeiss-Stadt in China), mit Jena freundschaftliche Beziehungen einzugehen.

Textergänzungen: Thomas C. Stahl

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