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Jena zieht gegen Erfurt in die Fußball-Schlacht

FC Carl Zeiss Jena vom 14. August 2008

Es ist das Spiel der Spiele, zumindest der erste Teil. Denn wenn der FC Carl Zeiss Jena am Freitag nach Erfurt fährt um gegen den großen Erzrivalen RWE anzutreten, geht es nicht nur um den Verbleib an der Tabellenspitze oder ein gutes Auswärtsspiel. Es geht um mehr – um eine leidenschaftliche Rivalität und Geschichte. Ein Sieg in Erfurt wäre der schönste der Saison.

Wie kaum ein anderer verkörpert Torsten Ziegner die jüngere Vergangenheit beider Vereine. Sowohl für Rot Weiß Erfurt als auch den FCC stand er im Thüringenderby auf dem Platz. Gleichwohl scheint die Zeit in der Landeshauptstadt für ihn keine all zu wichtige Lebensstation gewesen zu sein. „Grundsätzlich bin ich nicht gern in dieser Stadt – außer, um zu arbeiten.“. Ein Satz, der ihm einen ironischen „Rüffel“ seines Sportdirektors Carsten Linke einbringt: „Wir wollen die Stimmung doch nicht im Vorfeld anheizen.“; zuvor hatte er selbst noch angemerkt, die Heimatstadt des Gegners eigentlich nicht zu kennen: „Ich weiß lediglich, wie der Vorort heißt.“. Gelächter folgt und offenbart zugleich die tatsächlichen Emotionen, die im morgigen Spiel liegen. Denn wirklich anheizen kann man es kaum noch – es befindet sich bereits am Siedepunkt.

Dabei wirkten die vereinsseitigen Teilnehmer der „Pressekonferenz vor dem Spiel“ eigentlich relativ gelassen. Man werde natürlich alles tun, um einen Sieg nach Hause zu fahren. Doch im Grunde wolle man das Spiel ganz normal angehen, versicherte Torsten Ziegner. „Wir werden den Erfurtern von Anfang an den Schneid abkaufen … Allerdings mit fairen Mitteln.“. Zumal die Statistik für Jena spräche: „Von den drei letzten Spielen hat Jena zwei gewonnen und eins verloren.“. Ein Freudscher Versprecher, der zeigt, daß zwischen dem FCC und RWE nur Siege zählen. Denn die vermeintliche Niederlage war in Wirklichkeit ein Unentschieden.
Etwas verkrampfter geht man derweil in Erfurt an die Partie heran. Nach eher durchwachsenen Leistungen in der Liga muß ein Sieg her – erst recht gegen den Erzrivalen. Die dortige Pressekonferenz glich nach Aussagen einiger Journalisten einer Präsentation Erfurter Überlegenheit. Angesichts der verbalen Vorgeplänkel tut das kaum Wunder. Immerhin hatte man RWE bereits zum größten Fußball-Verein Thüringens gemacht.


Kampfgeist gegen Aue
Die sportliche Lage ist gegenüber der emotionalen nur schwer auszumachen. Der FC Carl Zeiss Jena hatte im letzten Ligaspiel gegen Aue eine eher durchwachsene Leistung gezeigt. Während die erste Halbzeit Arbeitsverweigerung der Spieler gleichkam, folgte in der zweiten Kampf total. Extremer können unterschiedliche Leistungen in nur einem Spiel kaum stattfinden. Häufige Ballverluste, technische Mängel und Fehlpässe ohne Ende standen einem nervenaufreibenden Sturmlauf auf das Aue-Tor gegenüber.
Die Steigerungskurve setzte sich auch im DFB-Pokal gegen Kaiserslautern fort. Jena gelang ein überlegener Sieg gegen den Zweitligisten, der zeitweise völlig konfus und chaotisch auf das schnelle Spiel der FCC-Mannen reagierte. Gelänge es dem FC Carl Zeiss Jena, diese Leistung auch in die Liga herüber zu retten, wäre der Sieg gegen Erfurt nicht nur sicher, sondern lediglich ein Schritt zu viel mehr.
Abzuwarten bleibt jedoch, ob der RWE die positive Stimmung aus dem Spiel gegen den FC Bayern in spielerisch zählbares umsetzen kann. Das ist die große Unbekannte. Zumindest dann, wenn Jena nicht an die letzten drei Halbzeiten anzuknüpfen vermag.

Auf Fanebene ist Erfurt dagegen ein erster Schlag gelungen. Den Jenaern wurden ungewöhnliche Regeln auferlegt. So wird ihnen der Fußmarsch vom Bahnhof zum Stadion verwehrt. Auch ist das Mitbringen von Fahnen und Choreographie-Material stark eingeschränkt. Schnell kommt da der Verdacht auf, RWE versuche über diesen Weg, erste Nadelstiche zu setzen.
Doch in Jena hält man es mit der Reaktion Carsten Linkes auf die Fußball-Großmacht-Ansprüche Erfurts: „Die Antwort wird auf dem Platz gegeben!“.

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