Berichte vom 23. Oktober 2007
Im Ostthüringer Handwerk zeichnet sich eine Stabilisierung der Geschäftstätigkeit ab. Die konjunkturelle Entwicklung schwächt sich leicht ab. Dennoch überwiegen weiterhin die optimistischen Stimmen. Das geht aus der aktuellen Herbstumfrage der Handwerkskammer für Ostthüringen unter ihren Mitgliedsbetrieben hervor.
74 Prozent der befragten Unternehmen schätzen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend ein. Das bedeutet eine gleichbleibende Entwicklung gegenüber dem Frühjahr 2007 und dem Vorjahreszeitraum. Nur noch sechs Prozent bewerten ihre Geschäftslage als schlecht, acht Prozent weniger als im Frühjahr. Insbesondere der Maschinen- und Werkzeugbau, als Bereich des Investitionsgüterhandwerks, befindet sich weiter im Aufwind. Im konsumnahen Sektor, wie dem Bau- und Kfz-Handwerk ist dagegen kein Aufwärtstrend zu verzeichnen. Das Hochbaugewerbe ist auf Grund des Wegfalls der Eigenheimzulage und der Erhöhung der Mehrwertsteuer negativ betroffen. Im Ausbausektor laufen dagegen die Geschäfte in Folge von energetischen Sanierungen und des Ausbaus der im Vorjahr vorgezogenen Neubauten gut. Im Kfz-Gewerbe wird keine durchgreifende Erholung des Automarktes erwartet. Das Reparatur- und Servicegeschäft bleibt aber weiter umsatzstark. Nahrungsmittel- und Friseurhandwerker wiederum sehen eine leichte Nachfragebelebung.
Die immer noch positive Grundstimmung schlägt sich auch in der Betriebsauslastung nieder. Konnten im Vorjahr 61 Prozent der befragten Betriebe über eine Auslastung zwischen 80 und 100 Prozent berichten, so sind es in der aktuellen Umfrage immerhin 75 Prozent.
Die gestiegene Betriebsauslastung führte zudem zu einer besseren Umsatzentwicklung. Die Zahl der Betriebe, die gleichbleibende oder gestiegene Umsätze verzeichnen können, beträgt 73 Prozent. Gegenüber dem Herbst des Vorjahres bedeutet dies zwar keine Veränderung. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage gab es jedoch eine Steigerung um 12 Prozent.
Der derzeitige Auftragsbestand in den Ostthüringer Handwerksbetriebe gibt jedoch Anlass zur Vorsicht. So schätzen nur noch acht Prozent der befragten Betriebe ihren Auftragsbestand für die Jahreszeit als überdurchschnittlich ein, vier Prozent weniger als noch im Herbst 2006. Von einem unterdurchschnittlichen Auftragsbestand sprechen sogar 30 Prozent. Das sind sechs Prozent mehr als noch vor Jahresfrist.
Das stetige Sorgenkind des Handwerks – die Einkaufspreise – sind im Herbst 2007 bei 68 Prozent der Betriebe gestiegen. Das sind zwar fünf Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Allerdings wird wegen der steigenden Lohnkosten und der höheren Energiepreise bald mit einer Beschleunigung des Preisauftriebes gerechnet.
Erfreulich ist, dass sich die weiterhin günstige Konjunkturlage auch positiv auf die Beschäftigtenzahlen im Handwerk auswirkt. Die Zahl der Beschäftigten nahm in der aktuellen Umfrage erneut in fast allen Handwerksgewerken zu. Insgesamt ist die Zahl der im Handwerk tätigen Personen um etwa zwei Prozent höher als im Herbst 2006.
Trotz vieler positiver Signale werden im Ostthüringer Handwerk keine weiteren konjunkturellen Zusätze erwartet. „Vor allem die von der Binnenkonjunktur abhängigen Wirtschaftsbereiche sind auf eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik des Bundes und der Länder angewiesen“, macht Klaus Nützel, Präsident der Handwerkskammer für Ostthüringen, deutlich. Insbesondere die hohen Einkaufspreise machen dem Handwerk zu schaffen. „Die nun angekündigten Erhöhungen der Strom- und Gaspreise tun ihr übriges dazu, dass eine weitere konjunkturelle Abschwächung droht“, so Klaus Nützel. Ebenso trägt die Diskussion um eine längere Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I nicht dazu bei, den Konjunkturmotor weiter anzukurbeln. „Solche Maßnahmen, die die Beitragszahler zusätzlich belasten und damit die Binnennachfrage schwächen, müssen vermieden werden.“
Um die Binnennachfrage zu fördern, spricht sich der Kammerpräsident außerdem für eine Zusammenlegung und Ausweitung der steuerlichen Absetzung von haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerleistungen sowie für eine Integrierung von selbst genutztem Wohneigentum in die Riesterförderung aus, um dem deutlichen Rückgang bei Wohnungsbauinvestitionen zu begegnen und damit das Baugewerbe zu stärken.
Die komplette Herbstumfrage der Handwerkskammer für Ostthüringen kann auf der Internetseite der Handwerkskammer unter www.hwk-gera.de im Downloadcenter eingesehen werden.
Text: Handwerkskammer für Ostthüringen
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