Wo: Energie - Wann: 16. November 2007
Steigende Ölpreise sorgen seit Monaten für hektische Preisschübe an den Tankstellen. Nun hat es auch die Energiebranche getroffen: Zum 1. Januar 2008 steigen die Strompreise um 13%. Just in diese Hiobsbotschaft hinein avancieren die Stadtwerke ein neues Öko-Angebot – inklusive Aufschlag von 1 Cent pro Kilowattstunde. Doch dieser zusätzliche Aufwand könnte sich langfristig durchaus rechnen.

„Eigentlich haben wir ja schon seit einigen Jahren ein Ökostromangebot“ leitete Martin Fürböck, Geschäftsführer der Stadtwerke Jena-Pößneck, seine Ankündigung des neuen Öko-Engagements ein. Doch die 4 Cent Aufpreis für das Produkt „energreen“ waren und sind offensichtlich nicht jedermanns Geschmack. Dabei könnten überzeugte Umweltschutzfreunde damit direkt den Ausbau erneuerbarer Energien fördern.
Fließen doch mit jeder verbrauchten KWh Fördermittel in den Ausbau erneuerbarer Energien. Mehr noch: Energreen-Kunden können per Abstimmung bestimmen, in welche Projekte die Gelder fließen sollen. Auf diese Weise konnten bereits einige Anlagen zur Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Ressourcen verwirklicht werden. Neben mehreren Photovoltaikanlagen zählen auch Blockheiz- und Wasserkraftwerke in Jena und Umland dazu.
Ziel der Stadtwerke ist es laut Fürböck nicht zuletzt, die Abhängigkeit von den großen Stromproduzenten zu verringern. Liegt doch deren Anteil an den jüngsten Preiserhöhungen bei nahezu 100%. Hinzu kommen stetig steigende Steuern (von 24% im Jahr 1998 auf 37% in 2008) und Netzentgelte. Oligopolisten wie Eon streichen vom Gesamtpreis 66% ein – und machen, wie zuletzt RWE, Milliardengewinne.
Daß die Stadtwerke in Zeiten anhaltender Klimakatastrophen eher nicht in Kohle- oder Ölkraftwerke investieren sollten, liegt auf der Hand. Im Gegenteil. Man ist stolz, die Umweltverschmutzung in Jena kontinuierlich verringert zu haben. „Als ich 1990 das erste Mal nach Jena kam, begrüßte mich eine braune Dunstglocke.“ beschreibt Fürböck seinen damaligen Eindruck von der Saalestadt, “Heute haben wir freie Sicht.“.

Präsentation Jenatur Mit dem neuen Angebot „Jenatur“ gehen die Stadtwerke nun einen neuen Weg. Statt 4 Cent ist es hier lediglich 1 Cent Aufschlag. Dafür erhält der Kunde garantiert Strom aus Wasserkraft. Daß man damit selbstverständlich kein Förderprogramm wie bei Energreen auflegen kann, ist die Kehrseite des ganzen.
Auswirkungen auf Investitionen in erneuerbare Energien sind dennoch zu erwarten. Über den geringeren Aufpreis werden mehr Kunden erwartet. Grund zu dieser Hoffnung gibt das Wechselverhalten der Deutschen von Stromanbieter zu Stromanbieter. „Trotz des durchgängig höheren Preises ist eine Tendenz hin zu Ökostrom erkennbar“ gibt Uwe Kreitel (Stadtwerke) zu verstehen. Gelänge es, eine gewisse kritische Masse an Öko-Kunden zu gewinnen, hätte dies natürlich Auswirkungen auf das Angebot. Investitionen in zusätzliche Wasserkraftwerke würden plötzlich auch marktwirtschaftlich interessant.
In Deutschland sorgt bisher allein das EEG dafür, daß erneuerbare Energien überhaupt auf dem Markt bestehen können. Mit jeder KWh fördert der Verbraucher die Einspeisung umweltfreundlichen Stromes in das Netz (4% Anteil am Preis je KWh). Gelänge es jedoch, die Nachfrage speziell nach Ökostrom anzukurbeln, könnte sich der Ausbau von Photovoltaik oder Wasserkraft bald aus dem Markt heraus rechnen. Zumal über steigende Nachfrage der Anlagen sicher auch deren Herstellungskosten sinken würden. Im Endeffekt hätte eine solche Entwicklung positive Auswirkungen auf Umwelt wie Wirtschaft.
Gleichzeitig käme es zu einem Rückgang der Erdölnachfrage. Wenn der Anteil nicht erdölbasierender Verfahren bei der Energieproduktion steigt, bleibt logischerweise die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen im gleichen Umfang aus Das wiederum sorgt für sinkende Preise auf den Weltmärkten und letztendlich an den Tanksäulen.
Tatsächlich könnte Jenatur ein interessanter Ansatz sein, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Neben den Umweltschutzauswirkungen wären wirtschaftliche Impulse und ein steigender Selbstversorgungsgrad Jenas denkbar. Die Rechnung geht aber nicht ohne die Kunden auf. Nur wenn sie bereit sind, 1 Cent pro Kilowattstunde mehr zu bezahlen, hat das ehrgeizige Vorhaben der Stadtwerke Erfolgschancen.
Martin Fürböck weiß gegen dieses Dillemma einen Rat: „Jede Energiepreiserhöhung wird durch effizientes Energiesparen wett gemacht.“. Auch wenn Jena mit einem Durchschnittsverbrauch von 1800 KWh pro Jahr und Haushalt nur knapp über der Hälfte des Bundesdurchschnitts (3300 –3600 KWh) liegt, sind noch Möglichkeiten da. Nicht zu unterschätzen ist zum Beispiel der Standby-Verbrauch elektrischer Geräte wie Fernseher oder Netzteiltrafos von Computern.
Die Formel heißt also: Energie sparen, sich damit Ökostrom leisten und daraus später wirtschaftliche Vorteile ziehen. Manchmal ist die Welt doch so einfach.
Diesen Artikel: Ergänzen (0 vorhanden) | Bookmark | Weiterempfehlen

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.
Jenakompakt.de ist ein Nachrichten-Blog. Neben aktuellen E-Commerce-Nachrichten informiere ich auch über Stellenangebote aus der IT- und Internet-Wirtschaft. Abgerundet wird das Angebot durch Ratschläge im Umgang mit dem Internet. Jenakompakt.de - ein E-Commerce-Blog.
Jenaer Nachrichten und Informationen gibt es auf Jenakompakt.de seit 2006. Die letzte allgemeine (Presse-) Meldung wurde am 1. November 2010 publiziert. Mittlerweile hsit Jenakompakt.de auf das Thema e-Commerce spezialisiert. Natürlich steht auch nach dem Themenwechsel ein Archiv zur Verfügung. Bitte die entsprechende Rubrik aufrufen und nach Herzenslust stöbern:
Politik, Campus, Sport, Gesellschaft, Kultur, Tier & Umwelt. Portale: Web Aktuell, Videoportal