Wo: High-Tech - Wann: 27. November 2007
Wer in letzter Zeit von Europa in die USA geflogen ist, hat am Zielflughafen eine penible Sicherheitsprüfung über sich ergehen lassen müssen. Neben Personalien gehörte dazu auch die Abnahme der Fingerabdrücke. Ein Vorgang, der schnell beklemmende Gefühle entstehen läßt. Doch einen Trost gibt es immerhin: Man hat seine Finger mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen biometrischen Scanner gelegt, der in der Heimat – genauer in Jena – hergestellt wurde.
Die weltweite Angst vor Terroristen und anderen Kriminellen schürt ein immenses Sicherheitsbedürfnis unter den Menschen. Dieses machen sich viele Regierungen zu Nutze, um endlich jene Kontrolle zu erlangen, von der so mancher Sicherheitspolitiker Nachts träumt. Besonders in den USA entwickelt sich das ganze in eine Richtung, die in beklemmender Weise an Georg Orwells „1984“ erinnert. Nicht umsonst befürchten Bürgerrechtsorganisationen den totalen Überwachungsstaat.

Werner Borchert (m.) erklärt Albrecht Schröter (l.)
die Qualitätsprüfung Neben den bedenklich stimmenden Problemen kann der Sache wenigstens etwas positives abgewonnen werden: Die in Jena ansässige Cross Match Technologies ist Marktführer bei Anwendungen und Systemlösungen zur biometrischen Identitätsprüfung. Ihre Produkte werden unter anderem auch an den us-amerikanischen Flughäfen eingesetzt.
Marktführer ist man vor allem deshalb, weil die Technik Made in Germany neben qualitativen Vorzügen auch bei Leistung und Zuverlässigkeit punktet. So gibt es keine zweiten Geräte, die innerhalb weniger Sekunden die Fingerabdrücke der ganzen Hand erfassen können. Das erhöht die Effektivität der Überprüfungen, verhindert Staus an den Kontrollschaltern und beschwichtigt den einen oder anderen genervten Ankömmling.
Daneben überzeugt natürlich auch die hochwertige – man könnte auch sagen typisch deutsche – Produktionsweise. So wird jedes einzelne Gerät einer sorgfältigen Qualitätsprüfung unterzogen. Erst wenn alle Merkmale zur Zufriedenheit erfüllt sind, verläßt das System die Produktion, Jena und letztendlich Deutschland. „So kann man im Vorfeld Fehler beheben, bevor das Gerät um die ganze Welt zum Kunden gebracht wurde. Dann nämlich wäre eine Korrektur um so aufwendiger.“ erklärt Produktionschef Werner Borchert die Beweggründe für dieses Vorgehen.
Trotz der weltweiten Positionierung des Unternehmens weiß man, woher man kommt. Ursprünglich entstanden aus Kompetenzmasse Carl Zeiss Jenas, arbeiten noch heute, mehr als ein Jahrzehnt nach Gründung, viele ehemalige „Zeissianer“ in den Produktionshallen. Zugegebenermaßen nicht ohne eine gewisse Notwendigkeit. Liegt das eigentliche Kapital der Biometrischen Scanner doch in ihrer Qualität bei den optischen Bauteilen.
Denkt man an Hightech-Optik, kommt natürlich sofort Jena als Standort in den Sinn. Hier liegt mit Firmen wie Carl Zeiss oder Jenoptik das Zentrum der deutschen Optischen Industrie. Entsprechend verwurzelt fühlt sich auch Cross-Match-Geschäftführer Gerhart Ernst (offizeller Titel: Managing Director): „Wir wachsen stetig – besonders am Standort Jena. Hier findet man die Kompetenz, die Flexibilität und die wirtschaftlichen wie wissenschaftlichen Netzwerke.“. Wie sehr man vom stark spezialisierten Fachkräfte- und Unternehmensmarkt Jenas abhängig ist, zeigt die Personalorganisation. Wegen der starken Nachfrageschwankungen am Weltmarkt greift das Unternehmen auf Zeitarbeitsfirmen und Zulieferfirmen zurück. Entsprechend fand bisher auch keine eigene Ausbildung von Nachwuchskräften statt. Zwar ändere sich dies ab 2008, doch würden zunächst kaufmännische Berufe in Betracht gezogen. Hier ist man also noch längere Zeit auf Dynamik und Verfügbarkeit zunehmend nachgefragter Fachkräfte in Jena angewiesen.
An Unterstützung seitens der Stadt Jena will es zumindest Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter nicht mangeln lassen. „Tragen Sie ruhig ihre Wünsche und Anregungen an mich heran. Dazu sind wir ja da.“ gab der OB Gerhart Ernst zu verstehen. Letzterer nannte auch gleich eine ganze Palette von Wünschen. Neben der stereotypen Forderung nach niedrigeren Steuern fanden sich darunter auch berechtigte Anregungen. So müsse die Attraktivität Jenas im Hinblick auf Fachkräftezuzug weiter gestärkt werden. Auch dürfe es an den Hochschulen der Stadt keinen Rückgang bei der Ausbildung insbesondere von Informatikern geben. Zudem könnten die Verbindungen der Stadt zu wichtigen Zentren in China Vorteile auf dem rasant wachsenden asiatischen Markt bringen.
Darin wird zugleich deutlich, wie sehr auch Cross Match Technologies vom sogenannten „Jenaer Netzwerk“ aus Wirtschaft und Wissenschaft profitiert. Kurze Wege bei geballter Kompetenz in der Saalestadt dürften einen erheblichen Anteil am Erfolg des Unternehmens haben. Das ist das Fundament, auf dem auch zukünftige Entwicklungen getragen werden können und sollen.

Albrecht Schröter tetstet einen mobilen Zwei-Augen-ScannerDie Zukunft sieht derweil gut aus. Neben dem wirtschaftlichen Wachstum im Bereich Sicherheitstechnik eilt Cross Match auch bei Innovation und Weiterentwicklung der Technik voran. So verfügt das Unternehmen zum Beispiel über den weltweit einzigen mobilen Zwei-Augen-Scanner. Eingesetzt wird er bereits im US-Verteidigungsministerium. Mit China, an dessen Flughäfen nur marginal Sicherheitskontrollen mit biometrischen Methoden vorgenommen wird, könnte zudem in den nächsten Jahren ein immenser Markt entstehen.
Das alles läßt natürlich Rückschlüsse auf die Entwicklung in Sachen Sicherheitskontrollen zu. Nicht mehr lange, und die Visionen in „1984“ muten nur noch als harmlose Gedankenspiele an. Zum einen dürften diese Aussichten so manchen erschrecken und bis ins Mark erschüttern. Zum anderen eröffnet sich damit jedoch auch wirtschaftlicher wie wissenschaftlicher Fortschritt. Letztendlich sind es die Menschen, die darüber entscheiden, wie mit sicherheitsrelevanten Daten außerhalb ihrer Verwendung zum Schutz der Bürger verfahren wird.
Diesen Artikel: Ergänzen (0 vorhanden) | Bookmark | Weiterempfehlen

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.
Jenakompakt.de ist ein Nachrichten-Blog. Neben aktuellen E-Commerce-Nachrichten informiere ich auch über Stellenangebote aus der IT- und Internet-Wirtschaft. Abgerundet wird das Angebot durch Ratschläge im Umgang mit dem Internet. Jenakompakt.de - ein E-Commerce-Blog.
Jenaer Nachrichten und Informationen gibt es auf Jenakompakt.de seit 2006. Die letzte allgemeine (Presse-) Meldung wurde am 1. November 2010 publiziert. Mittlerweile hsit Jenakompakt.de auf das Thema e-Commerce spezialisiert. Natürlich steht auch nach dem Themenwechsel ein Archiv zur Verfügung. Bitte die entsprechende Rubrik aufrufen und nach Herzenslust stöbern:
Politik, Campus, Sport, Gesellschaft, Kultur, Tier & Umwelt. Portale: Web Aktuell, Videoportal