Wo: Internet - Wann: 12. Dezember 2007
Die Ankündigungen neuer Abnehmer von Softwarelösungen Made by Intershop reißen in den letzten Wochen nicht ab. Der Optimismus beim einstigen Vorzeigeunternehmen aus Jena scheint also durchaus berechtigt zu sein. Auch wenn hinter so manchem Aktienkauf des Vorstandes sicherlich die Absicht steht, ein Zeichen Richtung Kritiker zu setzen.

Mekka des eCommerce Einfach hat es Intershop seit dem legendären Platzen der Internetblase wahrlich nicht. Kurz vor der Pleite stand das Unternehmen, das Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts die Ära des eCommerce eingeläutet hatte. Fehleinschätzungen des US-Marktes und darauf folgende Millionenverluste ließen Branche wie Presse bereits so manchen Abgesang vortragen. Während Namen wie SAP oder Oracle mittlerweile als Synonyme für E-Business-Lösungen stehen, erinnert man sich des einstigen Marktführers Intershop nur noch beim Schwelgen in der glorreichen Start-Up-Phase des Internets.
Die Unternehmensmeldungen aus dem JenTower – auch Intershoptower genannt – lassen jedoch die Auferstehung seines Namensgebers erahnen. Nach Umstrukturierung und Kostenreduzierung meldete der Vorstand seit langem wieder ein positives Quartalsergebnis (3. Quartal 2007). Mit 600.000 Euro mutet dessen Höhe im Verhältnis zu vergleichbaren Bilanzen der Branche zwar eher mickrig an. Betrachtet man jedoch die vorherigen Zahlen, ist der berühmte Silberstreifen am Horizont auch in Jena wieder zu erkennen.
Zum Beweis des Aufwärtstrends investierten der Aufsichtsrats- und Vorstandschef Anfang November in Aktien ihres Unternehmens. „Wir werden die Restrukturierung noch in diesem Jahr erfolgreich zum Abschluß bringen und damit ein sehr gutes Kostenniveau erreichen. Vor dem Hintergrund unserer gegenwärtigen Auftragslage bin ich sicher, mein Geld gut angelegt zu haben. […] Der Aktienkauf wird sicher nicht meine letzte Investition in Intershop sein.“ kommentierte Vorstand Andreas Riedel seinen Kauf von 15.000 Wertpapieren. Bereits einen Monat später machte er seine Ankündigung wahr und orderte weitere 10.000 Stück.
Die Aufträge jedenfalls scheinen der Entwicklung nach oben genüge zu tun. Ende November konnte Intershop mit Jansen Textil bereits den dritten Full-Service-Kunde vermelden. Zuvor hatten auch Wolford und Birdie-Lounge die Abwicklung ihrer Internetshops komplett nach Jena gegeben. Zufrieden gibt man sich mit diesem unerwartet schnellen Kundenzuwachs jedoch nicht. „Derzeit sprechen wir mit namhaften Firmen aus verschiedenen Branchen über mögliche Lösungsansätze im Online-Handel und rechnen mit den entsprechenden Aufträgen im kommenden Jahr.“ gab sich Henry Göttler, bei Intershop zuständig für den Geschäftsbereich Full-Service eCommerce, optimistisch.
Auch aus Übersee, dem einstigen Schwarzen Loch für Intershop, kommen mittlerweile Aufträge an Land gespült. Am Mittwoch konnte der Einstieg des Werbemittel-Großhändlers Four Seasons General Merchandise in die Reihe der Nutzer von Enfinity Suite 6 bekannt gegeben werden. Die Amerikaner gestalteten ihren kompletten eCommerce-Auftritt mit der Software aus Jena. „Wir haben Enfinity Suite 6 ausgewählt, weil wir damit die Online-Funktionalitäten deutlich erweitern konnten. Wenn unser Geschäft weiter wächst, wird das System problemlos mehr Besucher und Transaktionen verarbeiten können“, erklärte Mahmoud Paridehpour, eCommerce Manager des Unternehmens. Auch sein CEO, Bruce Gabbai, lobte die Vorzüge des Intershopproduktes: „Unsere Webseite ist nun schneller, benutzerfreundlicher und hat modernere Funktionalitäten. Wir können unseren Kunden jetzt mehr Leistungen anbieten als früher.“.
Es sieht also nach einer Auferstehung im Mekka des eCommerce aus. Ob sich dieser Trend fortsetzt und inwieweit er Signalwirkung auch auf andere Bereiche der Internetwirtschaft haben wird, steht allerdings noch in den Sternen. Besonders das verdächtig wachsende Web-2.0 läßt erste böse Erinnerungen an vergangene Tage wach werden. Spätesten seit den Milliarden schweren Einkaufstouren Googles und anderer Brachenriesen der „neuen Zeit“ ist klar, daß die Gefahr einer weiteren Internetblase über uns schwebt. Bleibt zu hoffen, daß bei deren Platzen nicht wieder Jena eine negative Erwähnung findet.
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