Wo: Arbeitsmarkt - Wann: 3. Januar 2008
Die Meldungen über leicht steigende Arbeitslosenzahlen im Dezember haben in ganz Deutschland für hektische Berichterstattung gesorgt. War die zweite Jahreshälfte 2007 doch eigentlich geprägt vom unaufhaltsamen Aufschwung. Unkenrufe sind jedoch fehl am Platz. Bezüglich Arbeitsmarkt gilt das zurückliegende Jahresende als das erfolgreichste seit 1990. Besonders Jena, das entgegen dem Trend auch im vergangenen Monat sinkende Arbeitslosenzahlen verzeichnen kann, entwickelt sich zur Boomstadt. Gleichwohl erwartet die Arbeitsagentur eine Abschwächung des Aufschwungs.

OB Dr. Albrecht Schröter „Wir dürfen nicht mehr über die 10%-Marke kommen!“ hatte Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter noch vor dem Jahreswechsel als Losung für 2008 ausgegeben. Diese Grenze ist eine magische in der Saalestadt. Gilt sie doch als Beweis oder Gegenbeweis gelungener Wirtschaftspolitik in einer Region, in der noch bis vor kurzem Arbeitslosenquoten von 20% und mehr keine Seltenheit waren.
Bisher kann sich Albrecht Schröter auf die Schultern klopfen. Für die Stadt Jena verzeichnete die Arbeitsagentur eine Quote von 9,1 % für den Dezember 2007. Im Vergleich zum November sank sie damit noch einmal um ca. 2,5 %. Positiv ist dabei besonders, daß der Rückgang sowohl ALG I als auch ALG II –Empfänger betrifft. Damit steht die Stadt nach Stadtroda nunmehr an zweiter Stelle in der Region. Ein Ergebnis, das durchaus ungewöhnlich ist.
Geprägt von Hochtechnologiefirmen und erfolgreicher Forschung und Lehre, leidet Jena unter einem Phänomen, daß auch für ähnliche Standorte nichts ungewöhnliches ist: Die in der Stadt arbeitenden leben im Umland (Speckgürtel), während der Anteil gering Qualifizierter an der Stadtbevölkerung überdurchschnittlich hoch ist.
Um so eindrucksvoller gestaltet sich deshalb die Entwicklung der letzten Monate. Jena ist geradezu losgelöst auf dem Weg nach oben. Für 2008 kündigten mehrere Unternehmen die Aufstockung ihrer Belegschaft an.
So gab Schott bereits im September ein Joint Venture mit Wacker Chemie bekannt. Dieses beinhaltet den Aufbau einer gemeinsamen Solarzellenproduktion. Schott-Jena-Chef Klaus Hoffmann informierte im Rahmen eines Werkrundgangs mit MdB Volker Blumentritt über die Pläne seines Unternehmens, in Jena eine Investition von 300 Millionen Euro zu tätigen und bis zu 600 Arbeitsplätzen zu schaffen. „Wir werden dieses Unterfangen mit Leibeskräften unterstützen!“ stellte Oberbürgermeister Schröter klar und sieht seine Stadt nach optischer und biotechnologischer Industrie um eine weitere zukunftsträchtige Säule gestärkt.
Hewlett Packard, das für Schott im IT-Bereich tätig ist, gesellte sich im Zusammenhang mit seinem Sponsoring der Stadt der Wissenschaften 2008 ebenfalls in den Reigen der positiven Arbeitsmarktankündigungen. Man wolle, so Dirk Dettmann von HP Services Germany, den Standort Jena mit derzeit 100 Mitarbeitern in Zukunft vergrößern. „Wir sehen das Thema IT als Treibstoff der wirtschaftlichen Entwicklung. Jena ist ein ganz toller Standort, das zu zeigen.“. Damit spielte er nicht zuletzt auf die eCommerce-Vergangenheit der Stadt an.

Dr. Ulrich Gawellek Bei solch positiven Nachrichten könnte es einem um die Arbeitsagentur Angst und Bange werden. Besteht ihre Aufgabe doch eigentlich darin, Arbeitslosen wieder in den Arbeitsmarkt zu verhelfen. Bleiben diese aus … .
Doch Jenas Agenturchef Dr. Ulrich Gawellek hat bereits Pläne für ein solches Szenario: „Wir können nun freiwerdende Ressourcen und Fördermittel gezielt für Personengruppen einsetzen, die bisher den Ansprüchen des Arbeitsmarktes nicht gerecht wurden. Das wird auf den einzelnen gesehen natürlich Zeit- und Geldaufwendiger sein.“. Gleichzeitig werde die Agentur auch Beschäftigte in ihre Bemühungen aufnehmen. So könne bereits im Vorfeld, also bevor der Arbeitsplatz verloren geht, gegengesteuert werden.
Wie nötig ein solches, bisher unbekanntes, Management des Arbeitsmarktes ist, zeigt die aktuelle Lage bei der Ausbildung. Hier findet mittlerweile ein regelrechter Wettbewerb der Unternehmen um Jugendliche statt. „Die Besten gehen zu Zeiss, Jenoptik oder Schott. Da wird es für kleinere Firmen natürlich sehr schwierig.“ umriß Gawellek die Situation. Die Arbeitsagentur könnte hier entsprechend koordinieren – Schulen, Unternehmen und andere Akteure zusammenbringen. Besonders für den Fachkräftebereich wird das in Zukunft ein wichtiges Thema sein.
Entlastung der angespannten Lage in Jena ist allerdings in Sicht. Der Aufschwung wird sich nach Meinung der Arbeitsagentur verlangsamen. Zwar sei eine Arbeitslosenquote von 8 bis 9 % in Jena durchaus möglich. Doch müßten hierfür auch weiterhin optimale Bedingungen vorherrschen. Wie sehr das Wachstum bereits an erste Dämpfer stößt, zeigte die Entwicklung der Winter- und Frühjahrsmonate 2007. Sie wiesen einen ungewöhnlich hohen Rückgang der Arbeitslosenzahlen auf. Das bescherte den Sommermonaten – bisher stets die Zeit der größten Zuwächse am Arbeitsmarkt – eine regelrechte Delle. Das gesamte Jahr 2007 könnte einen ähnlichen Effekt für 2008 haben.
Doch egal, ob rasant oder gemächlicher: Die Kurve zeigt nach oben. Insofern träumt nicht nur Ulrich Gawellek von paradiesischen Zuständen, wie sie in mancher süddeutschen Region herrschen. Dort findet man zuweilen Arbeitslosenquoten von 2 % und weniger vor. Für Mitteldeutschland freilich unbekannte Zahlen. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Nun ja, mal wieder ist die Betrachtungsweise entscheidend.
Natürlich steigt die Zahl der Arbeitslosen im Dezember aufgrund der Jahreszeit, aber saisonbereinigt sinkt auch in ganz Deutschland die Zahl der Arbeitslosen.
Es stellt sich nun die Frage, inwiefern auch 2008 der Trend weiter positiv übernommen werden kann.
Irgendwelche Ideen?
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