Jenaer Nachrichten-Archiv

Startseite | Impressum
Seit 2006
Das älteste Web-Archiv für Nachrichten aus Jena
Startseite -> Wirtschaft         RSS | Atom

Wirtschaft

Web 2.0 made in Jena - Frischer Wind aus dem Mekka des E-Commerce

Internet vom 16. Januar 2008

Ideen aus Jena erobern derzeit das Internet. Nachdem Mitte der Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Intershop die Ära des E-Commerce einläutete, schickt sich eine neue Generation nun an, den Ruf der Ideenführerschaft zurück zu erobern. Anders, als vor mehr als 10 Jahren, laufen die vermeintlichen Pioniere aber der Entwicklung hinterher. Es gilt, völlig neue Ansätze zu finden.

Lange Zeit lebte Jena besonders von seinem Ruf vergangener Zeiten. Unter anderem mit Intershop hatte in der Saalestadt einst die Phase des kommerziell genutzten Internets begonnen. Doch diese glanzvollen Zeiten sind längst vorbei – eine Internetblase und der Wandel vom „Web 1.0“ hin zur sogenannten Version 2.0 ließen die Bedeutung – jedoch nicht den Erfolg! – des klassischen E-Commerce sinken.
Die Stars heißen nunmehr StudiVZ, Xing oder Mister Wong. Gemein ist ihnen, daß nicht mehr die seit Anbeginn allen Wirtschaftens bestehende Beziehung zwischen Kunde und Anbieter vorherrscht. Vielmehr verschwimmen jene althergebrachten Strukturen. Die Nutzer des neuen Web 2.0 sind Konsumenten und Produzenten in Personalunion. Auf genannten und anderen Webportalen trifft sich die „neue“ Internetgemeinde, tauscht sich aus, hält das neue System am Laufen.

Aus Jena hörte man bislang eher wenig in Sachen Mitmach-Web. Zwar nutzen Jenaer Studenten und Bürger die großen Portale intensiv und gerade Unternehmer im JenTower – dem E-Commerce-Zentrum schlechthin – profitieren von den Netzwerkfunktionen Xings. Doch vor der eigenen Haustür fanden sie bisher nichts, was Web 2.0 im größeren Rahmen bedeutet hätte.
Dies scheint sich nun zu ändern. Besonders zwei Projekte können sich mit dem Glanz des Neuen, des Innovativen schmücken – auch wenn die ihnen zugrunde liegenden Ideen aus bereits Bestehendem erwuchsen.


Das jüngste der beiden ist Newskraft.de ( Link ). Auch wenn so manche Nachrichtenseite bzw. manches Blog lange vor dem offiziellen Start ominöse Besuche aus Richtung des Portals verzeichnete, können die Inhalte erst seit Anfang Dezember genutzt werden. Was der geneigte Besucher zu Gesicht bekommt, ist ein Newsportal der Regionen. „Newskraft ist in seiner Art weltweit einzigartig.“ verkündete Christian Otto Grötsch, Geschäftführer der DotSource GmbH, seinen Anspruch auf Ideenführerschaft. Denn anders, als überregionale Anbieter wie Yigg.de oder Google-News, liegt der Schwerpunkt darin, Nachrichten und Blogbeiträge nach ihrem thematischen Herkunftsort zu sortieren.
Neben dem Anspruch, eine Sammelstelle unterschiedlichster Quellen zu sein, bietet Newskraft seinen angemeldeten Nutzern auch die Möglichkeit, selbst Artikel zu verfassen oder Fotos zu veröffentlichen. Stets mit Bezug zu einer bestimmten Region: Bürgerjournalismus nennen das die einen, „Schmierereinen an der Klowand“ die anderen (z.B. Jean-Remy von Matt). Die Zukunft einer demokratischen Öffentlichkeit ist es jedoch allemal.


Das zweite Projekt geht die Mission Web 2.0 von der anderen Seite an. Während Newskraft.de ein Knotenpunkt für Fremdinhalte ist, setzt Preisbock.de ( Link ) neue Maßstäbe in Sachen Bloggen (d.i. eine Art Tagebuch für Meinungen und Lebenserfahrungen).
Preisbock nutzt diese Art des Publizierens, um Produkte mit Kultcharakter an den Mann zu bringen. Jeden Tag gibt es ein neues lustiges, skurriles und stets irgendwie auch brauchbares Angebot. Dabei greifen die Macher auf Kooperationen „mit etablierten Händlern und Herstellern“ zurück.
Selbstverständlich können Besucher der Webseite – laut Betreiberinformationen bis zu 10.000 am Tag – die einzelnen Produkte kommentieren oder Trackbacks setzen (d.i. automatische Verlinkung externer Beiträge, die auf den Ursprungs-Beitrag Bezug nehmen und ihn ebenfalls verlinken). Letzteres ist aus Gesichtpunkten des Web 2.0 die eigentliche Innovation eines ansonsten eher herkömmlichen E-Commerce-Konzepts. Gelänge es Preisbock, andere Blogger davon zu überzeugen, Beiträge inklusive Link über die einzelnen Angebote zu veröffentlichen, könnte daraus eine neue Art des Network-Marketings entstehen; eben die Web-2.0-Variante.
Auch wenn zumindest für die aktuelle Angebotswoche keine solche Trackbacks gesetzt wurden, ist das Projekt offenbar erfolgreich. “Unsere Nutzerzahlen sind seit Sommer 2007 pro Monat um etwa 30 Prozent gewachsen”, so Christian Otto Grötsch, der auch Geschäftsführer der Preisbock GmbH ist.

Ob die beiden Projekte letztendlich einschlagenden Erfolg haben werden und irgendwann mit den Größen des Web 2.0 auf Augenhöhe stehen, bleibt abzuwarten. Das Rüstzeug dazu haben sie durchaus. Auch wenn sie einige Schwachstellen vorweisen.
So sorgen aufwendige Ajax-Anwendungen und den Besucheransturm offenbar nicht gewachsene Servertechnik bei Newskraft.de zeitweilig bis häufig für quälend langsamen Seitenaufbau. Zudem kämpft das Portal gegen unzählige andere Newscommunitys. Preisbock.de seinerseits wartet mit einem leicht zu kopierenden Konzept auf. Bei anhaltendem Erfolg ist Konkurrenz geradezu vorprogrammiert.
Dem Innovationsgehalt tut dies natürlich keinen Abbruch. Besonders mit Preisbock tun sich neue Wege des E-Commerce auf, die eventuell das bisher rein unkommerzielle Prinzip des Bloggens mit dem althergebrachten Händlerdasein verbindet. Hier könnte sich eine Nachfolge für Intershop abzeichnen, wenn man so will.

Diesen Artikel: Ergänzen (1 vorhanden) | Bookmark | Weiterempfehlen



Internet auf Jenakompakt

Online-Portal aus Jena für Werbefolien gestartet

Literatur im Unterricht - Internet statt Förderung

Konkurrenz für Jobmailing.de – Wie das Internet Jena einholt

Jena zeigt erste Ansätze von E-Government

Barcamp Mitteldeutschland – Die Zukunft des Konferierens erreicht Jena





Bastian

21.01.2008 21:53 | Direktlink

Unorganized.de kommt übrigens auch aus Jena ;)


Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.

Nachrichten-Journal -> Wirtschaft         RSS | Atom