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Wirtschaft

Jenaer Arbeitsagentur und Zeitarbeitsfirmen kontern Kritik des DGB

Arbeitsmarkt vom 11. April 2008

Mit der Zeitarbeitsmesse am 10. April hat die Agentur für Arbeit Jena wiedereinmal einen großen Erfolg verbuchen können. 450 Teilnehmer kamen zur mittlerweile 4. Veranstaltung dieser Art. Die Firmen lobten ihrerseits überwiegend die gute Qualifikation und auch die Aufgeschlossenheit vieler Arbeitsuchender gegenüber der Zeitarbeit. Ein voller Erfolg, könnte man meinen, wenn da nicht die scharfe Kritik seitens des DGB wäre.


Arbeitsmarkt-Messen haben in Jena eine gute Tradition. Regelmäßig treffen sich in den Räumen der Agentur für Arbeit Unternehmensvertreter und Arbeitnehmer, um den Rahmen des Möglichen auszuloten. Ein Novum nicht nur in der Region. Ähnliches Engagement der ehemals Arbeitsämter genannten Agenturen findet man Deutschlandweit nur selten. So verwundert es kaum, daß selbst ausländische Arbeitgeber den Ruf der Saalestadt vernommen haben und an den Türen der Messeorganisatoren sich die Klinke reichen.
Wenn nicht gerade Veranstaltungen mit dem Namen „Skandinavientag“ anstehen, bleibt den Auswärtigen jedoch oft ein eigener Messestand verschlossen. „Wir konzentrieren uns auf Unternehmen der Region – das ist auch ein bißchen Regionalförderung.“ gibt Ursula Dellith, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Jena, deshalb auch zu verstehen. Eine weitere Rolle spielt zudem, daß man sich kennt. Nicht nur wegen der räumlichen Nähe. Für Unternehmer gibt es regelmäßig Informationsveranstaltungen, die nicht zuletzt einen engeren Kontakt zum Ziel haben.
Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb in Jena zuletzt nur noch 9,6 % er Erwerbsfähigen ohne Arbeit waren. Im Vergleich zu einigen Regionen Süddeutschlands mag das noch immer eine erschreckend hohe Zahl sein – bewegt sie sich doch in etwa auf Bundesniveau. Doch in einem Bundesland wie Thüringen, das auch Orte mit 15 % oder gar 20 % vorzuweisen hat, ist sogar eine knappe einstellige Arbeitslosenquote beinahe sensationell.

Daß soviel Arbeitgebernähe nicht überall auf Gegenliebe stößt, ist in Deutschland unumgänglich. Meistens hält sich die Kritik in Grenzen, wagen Akteure wie Gewerkschaften oder linke Parteien angesichts guter Wirtschaftszahlen nicht den offenen Aufstand. Doch ab und zu bricht der Zorn hervor – zuletzt im Fahrwasser einer Messe für Zeitarbeit. „Eine staatliche Institution wie die Bundesagentur für Arbeit, die sich zu 50 Prozent aus Beiträgen der Arbeitnehmer finanziert, hat nach unserer Auffassung auch einen sozialpolitischen Auftrag. Der beinhaltet die Vermittlung in existenzsichernde und dauerhafte Arbeit. Beides ist im Bereich Leiharbeit nur bedingt gegeben“ begehrte DGB-Sekretär Torsten Wolf laut eines Berichts der Ostthüringer Zeitung daraufhin auf. Leiharbeit sei lediglich ein Mittel der Unternehmen, Marktrisiken an die Arbeitnehmer abzutreten, heißt es weiter in dem Artikel.
Den Gescholtenen freilich mutet solche Kritik eher befremdlich an. „Zeitarbeitsfirmen sind für uns zunächst Arbeitgeber, wie jeder andere.“ Erwidert Ursula Dellith mit etwas enttäuschter Stimme. Sie hätte sich gewünscht, der DGB wäre im Vorfeld zuerst an die Agentur herangetreten. Dann wären auch solche Mißverständnisse wie die der Kosten nicht entstanden. Diese entstünden nämlich hauptsächlich bei den Messeausstellern. In der Tat sind mit dem direkten Gang an die Presse letztendlich klare Fronten gebildet worden. Unternehmer hier, Arbeitgeber dort – das übliche Freund-Feind-Schema des DGB. Nur so fühlt man sich offenbar wohl.

Dabei können weder Arbeitsagentur noch Gewerkschaften etwas an der aktuellen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt tun. Leiharbeit ist auf dem Vormarsch. Jeanette Herold von der Zeitarbeitsfirma Job AG bringt es auf den Punkt: „Besonders große Unternehmen schätzen die Flexibilität. Deshalb denke ich, Festeinstellungen werden künftig den geringeren Teil einer Belegschaft ausmachen. Das ist die Zukunft!“. Wie sehr sie recht hat, beweißt ein Blick in die Statistik ihrer Firma: mehr als 70 Niederlassungen und Kunden wie Carl Zeiss.
Negativ muß man diese Entwicklung jedoch nicht unbedingt sehen. Nicht zuletzt auch in Abstimmung mit der Arbeitagentur bieten Zeitarbeitsfirmen ihren Beschäftigten einen hohen Grad an Weiterbildungsmöglichkeiten. Was letztendlich in der Natur der Sache liegt. Immerhin sind sie dazu verpflichtet, verloren gegangene Job schnell wieder zu ersetzen. Kein Unternehmen kann es sich leisten, Arbeitskräfte däumchendrehend unbeschäftigt zu lassen. Hierin sieht auch Ursula Dellith den größten Vorteil: „Bei herkömmlichen Beschäftigungsverhältnissen verliert der Arbeitnehmer seinen Job und muß sich arbeitslos melden. Ist er jedoch Leiharbeiter, ist dies nicht so schnell der Fall.“.
Über mangelnde Aufträge müssen sich Zeitarbeitsfirmen freilich wenig Sorgen machen. Im Gegenteil: Veranstaltungen wie die Jenaer Zeitarbeitsmesse kommen ihnen mehr als gelegen, um mit dringend benötigten Fachkräften Kontakt aufzunehmen. Die Ansprüche sind dabei recht niedrig angesetzt. Jeanette Herold zeigt stolz auf einen Stapel mit drei passenden Kandidaten und meint zufrieden: „Das ist doch eine gute Ausbeute.“. Mittlerweile bildet die Brache auch selbst aus, was letztendlich sogar logisch scheint. Kennt sie sich doch wegen ihrer breiten Fächerung bestens auf dem Arbeitmarkt aus.

Am Ende nennt Jeanette Herold doch noch einen Fakt, der Torsten Wolf auf die Palme bringen würde, säße er mit am Tisch: „Ein Beweggrund der Unternehmen, unsere Dienste in Anspruch zu nehmen, ist die Umgehung der Betriebsräte.“. Sie sagt es, als läge in der Mitbestimmung der Arbeitnehmer alles Übel der Wirtschaft. Doch gerade hier offenbart sich das Hauptproblem von Leiharbeit. Nicht irgendwelche fadenscheinigen DGB-Vorhaltungen von „Abwälzen des Marktrisikos“ oder „Lohndumping“ sind bedenklich; alles Dinge, die letztendlich über den Markt geregelt werden. Wenn aber den Beschäftigten jedes Mitspracherecht abhanden kommt, geht auch ein wichtiger Bestandteil der demokratischen Verfassung des Staates – zu dem die Wirtschaft letztendlich auch gehört – abhanden. Hier ist der dringendste Ansatzpunkt für Kritik und ihr folgender Veränderungen.

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