Wo: Gesundheit - Wann: 15. November 2007
Noch vor wenigen Jahrzehnten schien die Diagnose “Krebs” gleichbedeutend mit kaum heilbarer oder zumindest langwieriger Krankheit. Doch der medizinische Fortschritt gibt Hoffnung: Viele Krebsarten sind inzwischen behandelbar. Noch sind allerdings zahlreiche Fragen seiner Entstehung ungeklärt.

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Harald zur Hausen “Zurzeit lassen sich etwa 21 Prozent der global auftretenden Krebserkrankungen mit Infektionen in Verbindung bringen”, weiß Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Infektionen wie Grippe oder Mittelohrentzündungen können vorgebeugt werden. Aber kann man auch den Krebs mit einer Impfung bekämpfen?
Viren und Bakterien spielen bei Infektionen eine besondere Rolle. Bei einzelnen Krebsarten sind inzwischen die Verursacher entdeckt worden. “Die Identifizierung krebsauslösender Infektionen ermöglicht erstmals vorbeugende Impfungen gegen zwei häufige Krebsarten des Menschen”, sagt Prof. zur Hausen: “Gebärmutterhalskrebs und durch Hepatitis B ausgelöste Leberkrebserkrankungen”.
Als Ursache des Gebärmutterhalskrebses (Zervixkarzinom), der zweithäufigsten Krebserkrankung vor allem bei jungen Frauen, sind die Humanen Papillomviren (HPV) erkannt worden. Zur Hausen und seinen Mitarbeitern gelang es 1983, die Papillomviren vom Typ HPV 16 und HPV 18 zu isolieren und ihr Erbmaterial in Tumorgewebe nachzuweisen. Damit gab es erstmals stichhaltige Hinweise für den Zusammenhang zwischen Papillomviren und Gebärmutterhalskrebs.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen entwickelte das Krebsforschungszentrum gemeinsam mit der Industrie einen Impfstoff zur Verhütung von Gebärmutterhalskrebs. Körpereigene Killerzellen sollen auf ein HPV-Eiweiß aufmerksam gemacht werden und daraufhin die infizierte Zelle abtöten. Darüber hinaus sollen die Hüll-Eiweiße des Virus Schutz gegen Infektionen verleihen. Im Jahr 2000 ist der Impfstoff erstmals in einer klinischen Studie an der Universität Jena getestet worden, aber erst 2006 kam der Impfstoff auf den deutschen Markt.
Auch das Jenaer Uniklinikum bietet seitdem die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs an. Sie ist bei jungen Mädchen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren, auf alle Fälle aber vor dem ersten Geschlechtsverkehr, besonders sinnvoll.
Text: Axel Burchardt, Foto: privat
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