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Wissen(schaft)

Das angestaubte Bild der Volkshochschule Jena korrigieren

Interview vom 11. Dezember 2007

Volkshochschulen besitzen für Gewöhnlich nicht gerade den Ruf, Tempel der Moderne zu sein. Ein wenig angestaubt ist ihr Bild in der Öffentlichkeit. Die VHS Jena möchte gegen eben dieses Trugbild ankämpfen und versucht nun, den Bildungsmarkt mit einer jungen, witzigen Werbekampagne zu erobern. Leicht hat sie es derweil nicht, in einer Stadt der Hochschulen und Forschungsinstitute. Doch dem Designbüro Baumhaus von Irwin Pulanco ist der Spagat gelungen. Im Interview gewährt der Designer Einblick in seine Arbeit.


Irwin Pulanco (r.) und Dirk Müller
Herr Pulanco, wie kommt man auf gute Ideen, wenn es um Werbung für eine Volkshochschule geht ?
Die VHS-Jena bat mich im Frühjahr um die Kreation einer Low-Budget-Kampagne mit der Vorgabe, ein größeres Publikum anzusprechen und das etwas angestaubte Image in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Zusammen mit Eva Munkelt (Kultur) und Christian Ziege (Wirtschaft/Recht) entwickelten wir das Ziel, die gängigen Vorstellungen und Klischees, die man bis heute über Volkshochschulen hat, auf intelligente und ironische Art zu kommunizieren. Zusätzlich sollten alle sechs Fachbereiche der VHS (Kultur, Beruf/Arbeit, Politik/Gesellschaft/Umwelt, Gesundheit, Sprachen, Spezial) im Mittelpunkt der Kampagne stehen. Hierbei fanden wir die Idee, mit einem prägnanten Testimonial (d.i. Fürsprecher, siehe Wikipedia) zu arbeiten, sehr reizvoll.

Dirk Müller kommt nicht gerade wie herkömmliche Werbefiguren daher. Wie kamen Sie auf ihn?
Das lokale Testimonial sollte vor allem eine Art Sympathiefigur für die in Jena ansässigen Bewohner darstellen. Die Schwierigkeit bestand darin, in der Kampagne diese Aspekte erfolgreich zu kombinieren, ohne verkrampft bzw. unbeabsichtigt skurril zu wirken. Dabei kam der Fitneßstudiobetreiber Dirk Müller (www.dasmammut.de) als Fotomodel ins Spiel. Er sicherte uns für das Vorhaben sofort seine Teilnahme zu. Zu der Bildidee, einen Bodybuilder als Leitfigur zu nehmen, gesellte sich der prägnante Claim „Lebe Dein Wissen!“, den ich vom Original „Wissen und mehr“ ableitete.
Dieses aussagekräftige Statement unterstützt wunderbar die acht Bildmotive, in denen Dirk Müller absurde Handlungen vollzieht und die in den kommenden Semestern der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Worin bestand Ihre größte Herausforderung bei diesem Projekt?
Sicherlich darin, eine bestimmte Bildästhetik zu finden, die Schlichtheit ausdrückt und Wirkung mit hohem Wiedererkennungswert erzielt.

Wie lösten Sie diese Aufgabe angesichts des engen finanziellen Rahmens?
Jedes Motiv besteht aus einer Kombination von Realaufnahmen und künstlich hergestellten Objekten, deren erfolgreiches Zusammenspiel erst möglich wurde, weil alles im Voraus minutiös geplant war.


Von der Idee-Skizze zu 3D-Erstellung künstlicher Objekte

Also war ein gutes Zeitmanagement gefragt…
Richtig. Alle Ergebnisse der Ideenfindung wurden in Form von Skizzen, auch Scribbles genannt, festgehalten und vom Kunden schriftlich abgenommen. Durch das bescheidene Budget traf ich die Entscheidung, das Fotoshooting in den Räumlichkeiten der Volkshochschule durchzuführen. Ausgehend von Ideen und Scribbles erstellte ich vor dem Shooting in einer 3D-Software die Objekte – u.a. Hanteln und Tische -, um diese später in einem Bildbearbeitungsprogramm mit den Realaufnahmen zu kombinieren. Die Entscheidung für diese Vorgehensweise fiel bereits vor Projektbeginn. Zeitersparnis und die vollständige Kontrolle über Form und Belichtung der einzelnen Objekte waren dabei ausschlaggebend.


Von der Realaufnahme zur Bildbearbeitung.

Hatten Sie alle Freiheiten, oder gab es bestimmte Vorgaben beim Design?
Das Corporate-Design der Volkshochschule Jena ist vorwiegend in Dunkelblau gehalten. Also mußte ich mich nach einer bestimmten Werbeästhetik orientieren, um eine einheitliche und klare Bildsprache zu schaffen. Leider hatte das Fotomodel zum Shooting Kleidungsstücke an, die farblich nicht zu der gewollten Ästhetik paßten. So war es notwendig, bei der Bildbearbeitung alle Kleidungsstücke und Objekte an diese Farbwelt anzupassen.

Wie lautet Ihr Schlußplädoyer zum Projekt: Last oder Herausforderung?
Es war vor allem eine sehr spannende Arbeit. Künstliche Objekte und Realaufnahmen wurden mit großem Aufwand im Bildverarbeitungsprogramm so lange bearbeitet, bis das gewünschte Ergebnis vorlag. Es gehörte einiges dazu, Bild und Text zu einem schönen Gesamtbild zusammen zu fügen. Als diese druckfähigen Dateien letztendlich an die Druckerei (CityCards/Kartinka/Erfurt) übergeben wurden, überwog der Stolz über das Erschaffene.

Ich danke Ihnen für das Interview und Wünsche viel Erfolg mit der Kampagne.


Das Endergebnis

baumhaus/büro für interdisziplinäres denken und gestalten

Thomas-Müntzer Str.12
99423 Weimar
+49(0)176/21 88 98 07

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