Wo: Pressemitteilung - Wann: 19. Juli 2010
Jena (sh) Ein „Zoo“ der ganz besonderen Art war am 16. Juli in den Rosensälen der Universität Jena zu bestaunen. Statt Tieren bewegten sich allerdings sechs Laufroboter über verschiedene Parcours. Die Präsentation war Teil des EU-Projektes „Locomorph“, mit dem die Forscher der Universität Jena gemeinsam mit Biologen, Physikern und Ingenieuren aus Belgien, Dänemark, Kanada und der Schweiz daran arbeiten, die Effizienz und die Handhabung von Laufrobotern in unbekannten Umgebungen zu verbessern.
Tierische Vorbilder waren deutlich zu erkennen. Vor allem die Beine wurden auf unterschiedliche Art gestaltet, um verschiedene Fortbewegungsarten ausprobieren zu können. So steuerten Forscher von der Universität Zürich etwa eine elektronische Krabbe mit mehreren motorisieren, nebeneinander angeordneten Beinen, die vom niederländischen Künstler Theo Jansen entworfen wurde. Ein anderer Roboter von der University of Southern Denmark in Odense bewegte sich auf langen Beinen wie eine Spinne fort.
„Mit unserem Forschungsprojekt ist es uns gelungen, die Ganganalyse, die sonst hauptsächlich in der Medizin angewendet wird, in die Robotik einzuführen“, erläutert Dr. André Seyfarth vom Lauflabor der Universität Jena. „Somit können verschiedene Bein- und Körpermorphologien getestet werden.“
Dass man dabei sogar von kranken Tieren lernen kann, bewiesen die Experten von der Ryerson University in Toronto. Sie nutzten Informationen über den Gang von dreibeinigen Hunden und bauten damit einen Roboter, der sowohl auf vier als auch auf drei Beinen laufen kann. Die nötigen Kenntnisse lieferte ihnen das Lauflabor der Universität Jena. Dort hatten Wissenschaftler um den Biologen Martin Groß die Fortbewegung von Hunden, die etwa bei einem Unfall ein Bein verloren haben, genau untersucht. Der kanadische Roboter kann dadurch sehr flexibel auf den Ausfall eines Beines reagieren und auf eine andere Gangart umschalten. „Das ist zum Beispiel für Weltraumfahrzeuge sehr nützlich, die nicht mal eben jemand reparieren kann“, erklärt Dr. Andrew A. Smith von der Ryerson University in Toronto. „Es wäre aber auch für die Produktion von Kinderspielzeug sehr nützlich. Wenn da mal ein etwas abbricht, muss man es nicht gleich wegwerfen“, scherzt der kanadische Roboterspezialist.
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